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Schwerwettersegeln

Segeln bei starkem Wind macht Spaß - vorausgesetzt, die Segelausrüstung ist dem Schiff und der Crew auch angepasst.

Oftmals sind aber unserer heutigen Yachten lediglich mit einem Großsegel und nur einem einzigen Vorsegel ausgerüstet.
Die Großsegel werden in der Regel mit Reffreihen ausgestattet und lassen sich per Patent-Bindereff sicher und gut stehend verkleinern. Auch die in den Mast oder den Baum einrollbaren Großsegel können unter den Gesichtspunkten Sicherheit und Segelstand akzeptabel gerefft werden.

Ganz anders sieht es aber leider bei den Vorsegeln aus. Eine einzige Rollreffgenua soll häufig als „eierlegende Wollmilchsau“ fungieren und von Flaute bis Schwerwetter unser Schiff antreiben. Das funktioniert schlecht bis gar nicht!

Soll die Rollreffgenua lange halten und auch Starkwind trotzen, so muss sie kräftig dimensioniert werden und ist dann für schwache Winde zu schwer. Wird sie eingerollt, so steht sie spätestens bei einer Verkleinerung um 50% bei Starkwind wie ein gut gefüllter Fallschirm und leistet dann auf Am-Wind-Kursen keinen Vortrieb mehr. - Die Probleme summieren sich auf, weil auch der Segeldruckpunkt der roll-gerefften Genua nach oben und nach vorn wandert, und unsere Yacht sich dann nur noch wie ein Schaukelpferd steuern lässt. Nicht unerwähnt sollte bleiben, dass die Genua unter diesen Bedingungen extrem leidet. - Wir Segelmacher empfehlen deswegen für unsere Reviere „vor der Haustür“= Ost- und Nordsee, die Standard-Segelgarderobe zumindest um eine Schwerwetterfock zu erweitern.

Die Schwerwetterfock hat etwa 50% der Fläche unserer großen Genua (ca. 75% des Vorsegeldreiecks) und lässt sich natürlich auch noch mal reffen. Sie sollte bereits dann gegen die große Rollreffgenua eingewechselt werden, wenn zuverlässige Wetter-vorhersagen für einen längeren Zeitraum Starkwind und mehr prognostizieren.- Unsere Yacht segelt so ausgerüstet aufrechter, geht angenehmer durch die Welle, ist schneller und segelt mehr Höhe.
Hat man den günstigsten Zeitpunkt für den Vorsegelwechsel verpasst und befindet sich nun in wirklich schwerem Wetter, dann ist nur noch mit einer zahlreichen, starken Crew unter erheblichen Strapazen und Gefahren der Segelwechsel auf eine Schwerwetterfock möglich. Auch Vorliek-Systeme, die wie ein Mantel um die voll aufgerollte Genua gelegt, das Setzen von Sturmsegeln noch möglich machen sollen, erweisen sich in der Realität bei Sturm, hohem Seegang und weiteren Widrigkeiten als untauglich. - Die seemännisch bewährte Lösung ist statt dessen ein inneres (wegnehmbares) Vorstag = „Kutterstag“, an dem die Sturm- oder Schwerwetterfock frühzeitig angeschlagen und bei Bedarf gesetzt werden kann.

Serienmäßig sind Kutterstagen in der Werftausstattung eher selten vorgesehen. Sie sind am Mast aber meistens doch einfach nachzurüsten (fragen Sie Ihren Rigger und Segelmacher), und auch an Deck in der Regel am achteren Schott des Ankerkastens anzuschließen (fragen Sie Ihren Bootsbauer). Das Kutterstag muss übrigens nicht (mehr) aus Draht angefertigt werden.- Die hochfesten UPE-Leinen (z.B. Dyneema-Tauwerk) sind extrem dehnungsarm und bestehen auch die Beanspruchung durch konventionelle Stagreiter.

Neben der Schwerwetterfock gehören auf Ozean-Passagen und Blauwasser-Törns auch echte Sturmsegel an Bord:

  • Die Sturmfock mit max. 40% Fläche einer Schwerwetterfock (max. 30% des Vorsegeldreiecks)
  • Das Trysegel mit max. 30% der Großsegelfläche

Beide Sturmsegel werden extrem stark und aus leuchtfarbenem Segeltuch gebaut.
Die Sturmfock muss alternativ zum Profilvorstag auch anders angeschlagen werden können, sollte die Rollanlage defekt oder belegt sein - idealerweise mit Stagreitern am inneren Vorstag (Kutterstag).

Für das Trysegel gelten noch weitergehende Sicherheitsvorschriften: ohne Segellatten, ohne Kopfbrett, aber mit Segelnummer und mit losem Unterliek. Das Vorliek ist so auszurüsten, dass das Trysegel angeschlagen werden kann, ohne das Großsegel mit seinen Mastrutschern abzuschlagen; entweder mit Rutschern an einer separaten Mastschiene, oder mit Stagreitern an einem (textilen) Trysegel-Stag.- Fragen Sie Ihren Rigger und Segelmacher, wie die optimale Trysegel-Konfiguration für Ihren Mast aussehen kann.

Mit einer gut abgestimmten Starkwindbesegelung kommen Sie nicht nur sicher an, sondern haben auch Freude am Segeln bei stürmischem Wetter.

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